Vegan in Berlin (in Worten)

Mittwoch, 19. Juni 2013

Ende Mai haben wir ein paar Tage in Berlin verbracht - eine Städtereise, die wir uns nach einigen anstrengenden Monaten sehr verdient hatten. Neben dem Drang, mal wieder ein bisschen Großstadtluft schnuppern zu wollen, hatten wir natürlich überwiegend eins im Sinn: Uns durch das vegane Schlemmerparadies Berlin zu futtern. Wir waren vier viel zu kurze Tage dort und haben nur einen Bruchteil der Lokalitäten besucht, die wir gerne aufgesucht hätten. Merke: Das Volumen deines Magens ist begrenzt!

Berlin wird uns also in hoffentlich nicht allzu ferner Zukunft wieder sehen. Ich erinnere mich nun mit euch zusammen an die kulinarischen Highlights unserer Reise. Allerdings habe ich eins nicht gemacht: die veganen Leckereien fotografiert. Hatte ich es bei unserer ersten Einkehr schlichtweg vergessen, hat mich eine ganze Gruppe Gäste im Kopps ziemlich irritiert, die jeden Gang mit einem Blitzlichtgewitter über dem eigenen Teller festhielten. Ich habe also relativ bewusst nicht an an einen Blog-Post gedacht, sondern einfach nur als Gast gegessen und mich von dem "Oh - ich muss mein veganes Essen fotografieren" distanziert. Das war mir deutlich angenehmer - daher gibt es keine Bilder zu Speis und Trank. Klare Besuch-Empfehlungen spreche ich trotzdem gerne aus.

Café Vux - Neukölln
Unser erster Halt in Berlin war das Vux. Eigentlich hätten wir gerne eine Kleinigkeit gegessen, jedoch waren wir noch viel zu satt vom Frühstück. So blieb es bei jeweils einem Fruchtsmoothie, der aufgrund unserer bereits schmerzenden Füße eine prima Erfrischung war. Das extrem nette Personal beriet bei der Zusammenstellung der Fruchtsorten und machte einen ernsthaft erfreuten Eindruck über unsere ungebremste Begeisterung dieses süßen veganen Cafés.  Kuchen und Muffins in der Theke sahen super aus, auch die Bagels werden wir bei unserem nächsten Besuch definitiv probieren. Denn trotz fehlendem Hunger schielten wir in diesem liebevoll eingerichteten Café neidisch auf die Speisen an den Nebentischen.

Kopps - Mitte
Hier sind wir mit folgendem Plan eingekehrt: Den 30. Geburtstag des Mannes feiern und das vermutlich feinste vegane Essen Berlins verspeisen. Vielleicht bin ich mit zu hohen Erwartungen im Kopps eingekehrt, aber ich muss ehrlich sagen, dass ich relativ enttäuscht wieder gegangen bin. Der Mann fand es zwar alles in allem prima, und auch ich würde wieder kommen. Allerdings eher in Begleitung von Eltern oder Schwiegereltern, die nicht glauben würden, dass hier ein veganes Restaurant in einer sehr noblen Atmosphäre zur Verfügung steht, in dem sich auch die gesetzten Leute wohlfühlen. Ich fühlte mich eher deplaziert mit Kind und lockerer Gesamteinstellung (samt Kleidung). Trotz Reservierung und vieler freier Tische bekamen wir den kleinsten zur Verfügung stehenden Tisch, der auch nur für zwei Personen eingedeckt war. Das Essen fand ich sehr okay, aber mehr nicht. Das war neben der fehlenden Wohlfühlatmoshäre der eigentliche Knackpunkt: es war gut, aber nicht super toll. Am besten abgeschmeckt war nach meinem Empfinden der Gruß aus der Küche - ein Bohnen-Tomaten-Salat mit Kichererbsen. Zur Vorspeise bestellen wir einen Salat von Algen und das Carpaccio von jungem Kohlrabi. Dazu der teilten wir den berühmten Eiersalat.  Dieser hat mich mächtig enttäuscht und war geschmacklich als recht fad einzustufen. Der Algen-Salat war gut, aber definitiv mit zu viel Sauce angemacht, die auch etwas zu sauer war. Ich mag es nicht, wenn der Salat dadurch schnell matschig wird und nicht mehr knackig frisch ist. Außerdem war der Algen-Anteil eher gering, es dominierten Blattsalate. Das Carpaccio hatte einen sehr bitteren Beigeschmack, den wir nicht identizieren konnten. Der Knaller allerdings waren die Grünkernpralinen beim Carpaccio - neben dem Gruß aus der Küche wirklich sehr gut. 
Zum Hauptgang aßen wir gegrillten Basilikum-Tofu und das vegane Cordon Bleu. Auch hier war mir der Basilikum-Tofu zu fad, der Rest war gut. Das Cordon Bleu war prima, wirklich, sehr, auch der Meerrettich-Kartoffel-Stampf konnte sich sehen lassen. Die Sauce war mir persönlich viel zu kräftig und dabei bin ich eigentlich absoluter Saucen-Fan.
Nachdem wir das Gefühl hatten, dass wir mit unserer am beengten Tisch immer unruhiger werdenden Tochter eher ein Stör-Faktor sind, haben wir uns das Dessert gespart und sind mit gemischten Gefühlen gegangen. Irgendwie war es schon toll, ein veganes Restaurant auf gehobenem Niveau besuchen zu können. Mir war es jedoch einfach zu verkrampft und die Speisen haben alles in allem nicht dem Stand gehalten, was ich beim Lesen der Karte erwartet hatte.

Freckles - Kreuzberg
Im Freckles kehrten wir am späten Mittag nach einer ellenlangen Lauferei durch Neukölln und Kreuzberg ein. In lockerer, freundlicher Atmosphäre aßen wir zur ersten Stärkung sehr leckere gefüllte Paninis mit Salat. Im Nachgang teilten wir uns zwei sehr leckere und sehr süße Kuchenstücke. Karottenkuchen mit Pistaziensahne und irgendetwas anderes, schokoladiges, kokosnussiges, sehr wohlschmeckendes. Hier werde ich beim nächsten Berlin-Besuch definitiv wieder einkehren und mich durch das weitere Kuchenangebot probieren. Auch die Quiche sah sehr lecker aus.

Kommerzpunk Bar & Café - Mitte
In diesem Etablissment gibt es neben Mittagstisch und Abendkarte auch Kaffee und Kuchen. Wir waren zum Abendessen da und waren leider etwas zu müde, um die recht aufgedrehte Stimmung verarbeiten zu können. Allerdings haben wir hier das beste Essen während unseres Aufenthalts bekommen. Die Karte ist auf der Homepage einzusehen. Wir hatten die Süßkartoffel-Spieße und Sommer-Rollen. Absolute Mini-Portionen auf geschmacklichem Höchst-Niveau. Ich war hellauf begeistert von den Kombinationen und der Qualität der Zutaten. Zum Hauptgang bestellten wir Maistortillas mit Soja-Streifen und das vietnamesische Sandwich mit Seitan. Ebenfalls Mini-Portionen, aber ebenso unglaublich lecker. Wir sind zwar mit Hunger rausgegangen und mussten noch ein paar Pommes essen gehen - ABER, die Speisen waren so unglaublich lecker, dass mir das wirklich egal war. Hier würde ich sehr gerne öfter essen können - und wenn man nicht so unglaublich ausgehungert ankommt wie wir, wird man mit einer Vorspeise plus Hauptspeise für insgesamt 13 Euro sicherlich auch nicht mehr hungrig herausgehen.

Kushi Sushi Bar - Mitte
Weil diese Sushi-Bar in der Nähe unseres Hostel lag und uns ausdrücklich empfohlen wurde, sind wir hier sogar zweimal gewesen. Ich habe das beste Sushi meines Lebens gegessen und die aufgeschlossene Haltung unserer veganen Wünsche gegebenüber war sehr angenehm. Wir bekamen vegane Sushi-Platten zusammengestellt, dazu aßen wir leckere Edamame, den leckersten Wakame-Salat, den ich jemals probiert habe und auch für unsere Tochter wurde sehr freundlich etwas zusammengestellt. Wenn ich in der Nähe dieser Suhsi-Bar wohnen würde, wäre das mein finanzieller Ruin!

Pêle Mêle - Neukölln
Zum Abschluss unseres Aufenthalts haben wir am Sonntag noch einmal im Pêle Mêle gebruncht. Wir fanden uns in einem absolut süßen Café wieder, das uns einen wundervollen Brunch geboten hat. Es gab eine große Auswahl verschiedener Aufstriche, Caprese mit Tofu, Räuchertofu, Kartoffelsalat, Suppe, süße und herzhafte Muffins, Müsli und Joghurt und vor allem: den absolut besten Rührtofu, der mir bisher untergekommen ist. In sehr schöner und freundlicher Umgebung konnten wir unseren Berlin-Besuch also ganz in Ruhe ausklingen lassen und gestärkt die Heimreise antreten. Einziger Minus-Punkt: Als wir bereits losgefahren waren und der Mann erwähnte, dass die Rechnung recht hoch war, ist uns aufgefallen, dass für unsere dreijährige Tochter der volle Brunch-Betrag von 10 Euro berechnet wurde. Das fand ich für das eine Brötchen und den Klecks Joghurt, den sie gegessen hat, schon etwas happig. Aufgrund der eigentlichen Familienfreundlichkeit, die das Café ausgestrahlt hat, hat mich das ziemlich irritiert. Vielleicht ist aber auch nur ein Fehler beim Abrechnen passiert, denn eigentlich ist es doch sehr üblich, dass Kinder weniger bezahlen.

Alles in allem war ich in Berlin absolut begeistert von dem veganen Angebot. Es ist gefühlt an jeder Ecke möglich, eine vegane Alternative zu bekommen. Vor allem ist sehr viel öfter ausgezeichnet, welche Speisen vegan sind und welche nicht. Allein beim Bäcker war ich fasziniert: es gibt veganes Süßgebäck, Croissants und Co. Und in den (Bio-)Bäckereien, in denen ich war, war grundsätzlich jedes Brötchen gekennzeichnet: vegan ja/nein. Da können sich (auch aufgrund von Allergien) so einige Bäckereien mal eine Scheibe abschneiden...

Kommentare:

  1. Oh, im Freckles werde ich bei meinem nächsten Berlinbesuch dann auch mal einkehren, denn mit gutem Kuchen bekommt man mich immer ;)

    Liebe Grüße :)

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  2. Woow, danke für die tollen Berlintipps! Ich möchte auch so gerne mal wieder nach Berlin (das wäre dann mein erster Besuch als Veganerin dort :) ), wenn es doch nur nicht so teuer wäre - Zug, Hotel und Geld für Kleinigkeiten!
    Ich wusste gar nicht, dass das Kopps so ein nobles Restaurant ist - dachte immer, das wäre so klein und öko-mäßig eingerichtet!! :D
    Eure kulinarische Reise klingt echt gut :) Schade, dass nicht so viele andere große Städte sooo vegan-freundlich sind. Aber was nicht ist, kann ja noch werden :)
    Liebe Grüße
    Laura

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  3. Das Kopps fand ich sehr gut und lecker, aber wir saßen auch an dem kleinsten Tisch. Aber in der Mitte hätte ich auch nicht gerne gesessen, das ist irgendwie ne blöde Tisch Aufteilung... Aber lecker :-)
    Das Foto ist übrigens sehr cool!!

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  4. Ich fand das Kopps echt toll und lecker, schade dass es dir da nicht so gut gefallen hat.
    Ich kann übrigens das Goodies in Friedrichshain auch nur wärmstens empfehlen. Da haben wir eine Woche lang jeden Tag gefrüchstückt oder uns zumindest einen Snack geholt. Achja, wir waren sogar in einem Bio-Hotel mit veganem Frühstück! Vielleicht sollte ich meine Tipss auch mal niederschreiben ;-)
    lg SImone

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  5. Der letzte Brunch im Kopps war für mich auch sehr enttäuschend! Ich weiß genau, wovon du sprichst! Der Eiersalat war trocken und fad, einige Salate und auch die Lasagne sehr sehr sauer.
    Als ich vor einem Jahr das erste Mal mit meiner Mama dort essen war (Tagesmenü), waren wir begeistert! Und auch die ersten beide Male Brunchen war toll... ich fand auch, dass die Freundlichkeit des Personals nachgelassen hat, vielleicht lag es auch nur daran, dass der Chef nicht im Haus war?
    Als er die Male vorher anwesend war, gab es am Essen nämlich rein gar nichts zu meckern!

    Das wollte ich mal los werden, da ich schon dachte, ich leide an Geschmacksverirrung, da alle anderen weiterhin nur vom Essen dort schwärmen :D

    Liebe Grüße!!

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